Natur & Musik

 

Wenn du im Grünen sitzt und die Augen schließt, was nimmst du wahr? Ein Zwitschern, ein Rauschen in den Bäumen, ein Rascheln im getrockneten Laub? Woher kommen nur all diese Geräusche? Die Natur um uns herum hat ihre eigenen Laute, ihre eigene Musik, die wir durch das Leben in der Stadt nicht immer wahrnehmen.

 

Nicht nur Naturliebhaber, auch Musiker_innen verschiedener Epochen und Stilrichtungen konnten und können sich der Schönheit natürlicher Klanglandschaften kaum entziehen. Im zweiten Satz seiner sechsten Symphonie, der "Szene am Bach", ließ Beethoven den Gesang der Nachtigall von der Flöte wiedergeben, die Oboe imitiert die Wachtel, zwei Klarinetten den Kuckuck. Der 1926 geborene US-Amerikaner Georg Crumb holte mit "Vox Balaenae (Voice of the Whale" 1971 den Gesang der Wale, gespielt von Flöte, Cello und Klavier, auf die New Yorker Bühne. Inzwischen binden immer mehr Künstler_innen Originalaufnahmen von Tierstimmen in ihre Werke ein. 1978 spielte der Amerikaner Paul Winter in seinem Album "Common Ground" zum Heulen der Timberwölfe Saxofon. 

 

Eines der aktuellsten und beeindruckendsten Werke, in denen die Grenze zwischen tierischer und menschlicher Musik so fließend sind, dass sie sich fast aufzulösen scheinen, ist das 2014 uraufgeführte "Great Animal Orchestra Symphonie für Orchester und wilde Soundscapes. Gibbon-Rufe werden von Streichern und der Flöte fortgesponnen, das Brummen der Elefanten vermischt sich mit dem Kontrabass, das Heulen der Wölfe mit dem Waldhorn. Zu hören sind unter anderem auch ein Froschchor, das Klagelied amerikanischer Biber, Spechte, Wale, der Flageolettzaunkönig und der Urutau-Tagschläfer, ein Vogel aus dem tropischen Amerika, der unserem Ziegenmelker ähnelt. 

 

Verantwortlich für dieses Klangkunstwerk sind Komponist Richard Blackford und Naturforscher Bernie Krause, einst Mitbegründer der elektronischen Musik. Nachdem der Amerikaner die Faszination der Naturgeräusche eher zufällig bei einem Auftrag von Warner Brothers entdeckt hatte, kehrte er im Alter von 40 Jahren Hollywood den Rücken, promovierte in Creative Arts über marine Bioakustik und sammelte seither 4000 Stunden Tonmaterial mit den Geräuschen von über 15000 Tierarten aus aller Welt. "Man könnte meinen, ich hätte die Welt der Musik für die Welt der Naturgeräusche aufgegeben. Aber ich habe sie dort erst wirklich entdeckt. sagt Krause, einer der wenigen Vertreter der recht jungen Forschunggsdisziplin der Zoomusikologie, die sich mit tierischen Lautäußerungen beschäftig, die man eher als Musik denn als Kommunikation bezeichnen würde. 

 

Die isländische Musikerin Björk hat ihr achtes Soloalbum "Biophilia" genannt und darin ihre Naturverbundenheit künstlerisch zum Ausdruck gebracht. Sie hat Naturphänomene mit Musik verbunden und sich dabei multimedialer Inhalte bedient, um zu den Songs verschiedene Apps zu entwickeln. Moderne Technik kann also durchaus genutzt werden, ohne dass man sich komplett von dem abtrennt, was einen lebendig und gesund hält. In einem Fernsehinterview erzählte Michael Jackson über die Inspiration, die er durch seinen Lieblingsbaum auf seiner Neverland Ranch gefunden hat. Er nannte ihn seinen "giving tree". Dort hat er einige seiner großen Hits geschrieben. 

 

 

Gerade für Künstler_innen ist es wichtig, das innere Kind zu bewahren, um kreativ sein und neue Werke erschaffen zu können. Als Kinder haben wir frei und ohne Plan in der Natur gespielt. Wir haben uns von ihr inspirieren lassen und sind unserer Intuition gefolgt. Durch die Entspannung und das sich Treiben lassen in der Natur können wir dahin zurück finden.